Der Vater verstarb im Hospiz.
Letzten Freitag war die Totenfeier – wir sind alle sehr froh – meine Mutter lebt wieder auf.
MCNeubert: Sehr geehrte Frau Kali Balcerowiak, herzlichen Dank, dass Sie mir ein Interview zum Sterben Ihres Vaters in einem Hospiz geben. Ich bin sicher, dass Ihre Erfahrungen mit dem Hospiz auch für andere in ähnlicher Situation eine entscheidende Hilfe sein können.
Wie war die Vorgeschichte Ihres Vaters?
Balcerowiak: Es begann mit der Frage der Einstellung der Sondenernährung für meinen Vater.
Mein Vater selbst konnte nach seinem sehr schweren Schlaganfall nicht mehr sprechen und sich auch nicht unmissverständlich anderweitig ausdrücken. Eine selbstverfasste Patientenverfügung lag nicht vor. Es gab jedoch einen gemeinsamen Entwurf meiner Eltern, allerdings nichts schriftliches von meinem Vater.
Die Zustimmung zur Sondenernährung PEG konnte von meiner Mutter gegeben werden, obwohl sie nicht als Vormund bestellt war. Meine Mutter hat hierzu eine schriftliche Erklärung abgegeben.
MCNeubert: Warum hat Ihre Mutter der Sonde überhaupt zugestimmt?
Balcerowiak: Ihre Zustimmung zur Magensonde erfolgte, nachdem man ihr von ärztlicher Seite versichert hatte, es gebe Aussicht auf Besserung und die Sondenernährung stelle eine Voraussetzung für Logo- und Ergotherapie dar. Nach einem Jahr wurden beide Therapien eingestellt, da eine Behandlung aussichtslos war.
MCNeubert: Und wie entwickelte sich die Situation Ihres Vaters weiter?
Balcerowiak: Die Situation meines Vaters hat sich insofern verändert, als die Magensonde ausgefallen ist. Obwohl es eine Vereinbarung mit dem behandelnden Arzt gab, dass mein Vater aus der pflege nicht mehr in ein Krankenhaus gebracht wird und jedenfalls keine neue Sonde eingesetzt werden soll, hat dieser Arzt nach dem Ausfall eine Einweisung ins Krankenhaus veranlasst, ohne meine Mutter zu benachrichtigen. Sie wurde dann von den Pflegekräften informiert.
MCNeubert: Hat man Ihren Vater im Krankenhaus weiter behandelt?
Balcerowiak: Nachdem meine Mutter in der Notaufnahme des Krankenhauses die Lage beschrieben, und erklärt hatte, dass sie einer Magensonde nicht zustimmen würde, wurde mein Vater wieder zurück in die Pflege geschickt und überhaupt nicht erst im Krankenhaus aufgenommen. Der Arzt schickte ihn jedoch wieder ins Krankenhaus.
Dort lag er dann und wurde über Veneninfusion ernährt.
MCNeubert: Und wie kam Ihr Vater dann doch noch in ein Hospiz?
Balcerowiak: Das Gesundheitsamt wurde eingeschaltet und meine Mutter bekam in einem Schnellverfahren die Betreuungsbefugnis vom Vormundschaftsgericht.
Sie hat die Sondenernährung verweigert. Die bereits vorliegenden Erklärungen meiner Mutter zum Willen ihres Mannes, in diesem Zustand nicht künstlich am Leben erhalten zu werden, wurden von mir und meinem Bruder durch entsprechende Erklärungen ergänzt.
Meine Mutter und ich haben eidesstattlich versichert, dass unsere Erklärungen dem Willen des Betroffenen entsprechen und den Verantwortlichen keine juristischen oder sonstigen Nachteile entstehen sollen.
Meine Mutter hat sich dann mit dem Arzt, der in Bad Pyrmont das Hospiz betreut, in Verbindung gesetzt hat. Dieser hat sofort eine Einweisung ins Hospiz, wo auch gerade ein Bett frei war, veranlasst.
MCNeubert: Mit welchen Gefühlen haben Sie Ihren Vater ins Hospiz gebracht und wie ist es ihm dort ergangen?
Balcerowiak: Die Leidensgeschichte meines Vaters hat Gott sei Dank eine Wende zum Guten genommen.
Mein Vater hat dort genau noch vier Tage friedlich und entspannt gelegen und hat dann einfach aufgehört zu atmen. Es war ein von Franziskanerinnen geführtes Haus, die nicht nur das Sterben meines Vaters, sondern auch meine Mutter, die sehr mitgenommen war, äußerst einfühlsam und liebevoll betreut und begleitet haben.
Was so ungeheuerlich ist und mich eigentlich am meisten verblüfft und beschäftigt: Dieser Kontrast zwischen einer Medizin und Pflege, die sich als lebenserhaltend beschreibt und einen natürlichen Tod qualvoll hinauszögert – und dann dieser Arzt und diese wundervollen Schwestern, die einen betreuten Raum anbieten, wo ein friedlicher und würdevoller Prozess des Abschieds stattfindet.
MCNeubert: Welches Fazit können Sie nach dieser Erfahrung ziehen?
Balcerowiak: Die Lehre, die ich daraus ziehen kann: Beizeiten ein ausführliches Patiententestament zu verfassen und zu hinterlegen.
Zum Sterben – wenn es keine private Situation gibt, die dafür einen angemessenen Rahmen bereitstellen kann und möchte – in ein Hospiz gehen.
Tja. letzten Freitag war die Totenfeier. Wir sind alle sehr froh. Meine Mutter ist wie befreit.
MCNeubert: Vielen Dank, dass Sie Ihre Erfahrungen mit anderen teilen möchten. Alles Gute weiterhin.
Sonntag 29. Mai 2011 um 14:44
Dieser Situation wurde ich vor 7 Jahren ausgesetzt. Die Entscheidung zu treffen über Leben und Tot eines geliebten Menschen ist sehr schwierig-leiden mit schmerzen nein!! Entscheidung treffen soll dieser Mensch sich ohne Schmerzen und Leiden verabschieden fällt nicht leicht. Wenn man sein Leben miterlebt hat,und sich gemeinsam damit beschäftigt hat fällt es einem nicht so schwer ihn in Frieden gehn zu lassen.Für einen selbst sich damit ausseranderzusetzen schwierig.Es dauert auch sehr lange zu sagen es war richtig,weil der geliebte Mensch es verdient hat,wenn die Zeit gekommen ist in Würde und ohne was wäre wenn gegangen ist. Auch in diesem Moment die nähe zu geben Hand halten die Wärme geben bedeudet jemamd ist da. ,,,Dieser frage gehen lassen habe ich damals mit meiner Mutter gemeinsam gelöst,Mein Vater mit 63 Jahren.Es war sehr schwer für uns beide.Aber ich habe gewußt meine Mutter wollte wenn es so weit ist nicht von Maschinen am Leben erhalten werden.Meine Mutter wußte mein Vater auch nicht. Mfr. Gruss Unbekannt